Nach Gäste-Zahlen war es die beste Freiluftkino- Saison in Enger, seit die Kinogruppe des Stammtisch Barmeierplatz dieses Event ins Leben gerufen hat. Und das ist bereits acht Jahre her. Kamen in den letzten Jahren zu den einzelnen Veranstaltungen bis zu 250 Gäste, waren es in diesem Jahr an zwei der drei Termine über 300 Kinofans.
Neben unserem Stammpublikum kamen darüber hinaus mehr Gäste aus Spenge, Jöllenbeck, Werther und sogar Melle. Es hat sich herumgesprochen, dass wir kein „normales“ Freiluftkino anbieten. Denn das Besondere in Enger ist das zum Film passende, fast zweistündige Vorprogramm. Eine liebevolle Dekoration, Live-Musik, Kultur, Talkrunden, Kino-Quiz sowie interessante bis exotische Speisen und ein Sondergetränk – immer passend zum Thema des jeweiligen Films. Das gibt es nur auf dem Königin-Mathilde-Platz in Enger.
Unsere Stammgäste haben sich auf die gestiegenen Besucherzahlen eingestellt. Sie kommen entweder sehr pünktlich oder bringen gleich ihren eigenen Klappstuhl mit. Denn ab und zu sind uns in dieser Saison die Stühle ausgegangen. Ob das nur am tollen Wetter lag?

Starke Frauen im Juni

Der Film „Hidden Figures“ bestimmte die Themen unseres ersten Abends am 9. Juni: Starke Frauen aus dem Bereich MINT (= Mathematik, Ingenieurwissenschaften, Naturwissenschaften und Technik), Gender und Diversity. Das sind auch die Aktionsfelder der Gleichstellungsstellen des Kreises Herford. Deshalb war dieser Filmabend eine Kooperationsveranstaltung mit der Arbeitsgemeinschaft kommunaler Gleichstellungsstellen im Kreis Herford zum Jubiläumsjahr „100 Jahre Frauenwahlrecht“.

Chemiestudentin Ramona Paulus sowie Baustatikerin Claudia Plake, mit gleichnamigem Ingenieurbüro in Herford, berichteten in der Talkrunde von ihren Erfahrungen in MINT-Berufen. Neben MINT gab es dann „STIMMT!“ Birgit Koch, Ulrike Kindermann und Caro Tiemann sangen mehrstimmig und sehr emotional alte und neue Weisen. Unser (weibliches) Catering-Team kreierte „Soulfood“ wie „Hoppin John“ und „Chicken-Gumbo“ – überraschende Rezepte aus der afro-amerikanischen Südstaatenküche. Der ZETIS e.V. aus Enger präsentierte an einem Infostand technische Experimente zum Mitmachen. In unserem Themenzelt war es an diesem Abend schwarz-weiß, so wie die Rassentrennung in den USA in den 1960er Jahren.
Mit Einbruch der Dunkelheit, im Juni also erst gegen 22.15 Uhr begann der Film um die drei unerkannten Heldinnen Katherine Johnson, Dorothy Vaughn und Mary Jackson. Die wahre Geschichte um diese drei herausragenden afroamerikanischen Frauen, die zu Beginn der sechziger Jahre bei der NASA arbeiteten. Die brillanten Mathematikerinnen sind Teil jenes Teams, das dem ersten US-Astronauten John Glenn die Erdumrundung ermöglicht. Dabei kämpft das visionäre Trio um die Überwindung der Geschlechter- und Rassengrenzen und ist eine Inspiration für kommende Generationen.


Heimat, Ärztemangel, Fußball und Trommeln im Juli


Vier Wochen später, am 14. Juli, sah im Film ein „Dorf schwarz“ – und Enger ein buntes Treiben. Als Organisatoren hatten wir an diesem Termin mitten in den Sommerferien eher mit weniger Gästen gerechnet. Das Gegenteil war der Fall: Besucherrekord!


Diesen Filmabend hatten wir unter einen Begriff gestellt, der derzeit in Aller Munde ist: „Heimat“. Was ist für mich Heimat? Das Land, in dem ich geboren bin? Das Land, in dem ich lebe? Das Land, in dem ich sicher bin? Das Land, in dem meine Freunde sind? In dem Film „Ein Dorf sieht schwarz“ suchen ein Arzt und seine Familie aus dem Kongo in der französischen Picardie in den 1970er Jahren eine neue Heimat. Sie treffen auf schwarz-weiß-Denken, das nur langsam bunter Vielfalt weicht. Nicht zuletzt dank Dartspiel und Fußball. Diese beiden Themen haben wir natürlich im Vorprogramm umgesetzt. Fünf junge Mädchen der D-Jugend des SC-Enger traten gegen mutige Damen aus dem Publikum zum Torwandschießen an. Und wer Lust hatte, konnte seine Geschicklichkeit an der Dartscheibe testen. Das zweite Thema des Films, den Ärztemangel auf dem Land, erörterten wir mit dem Engeraner Allgemeinmediziner Dr. Holger Rost in der Talkrunde. Rhythmisch und bunt wurde es beim Auftritt von Augustin Kwamo-Kamdem, Kouamé Akpetou und Amakoé Amouzou aus Bielefeld: Mit ihrer Trommel-Performance stimmten sie das Publikum vortrefflich auf den Film ein. Die Köstlichkeiten aus der afrikanischen und französischen Küche wie „Bobotie“, der Eintopf „Kinshasa“ oder die „Birnen-Roquefort-Tarte“ waren schon um halb neun ausverkauft.


Solidarität und Toleranz im August

Was wäre unsere Gesellschaft ohne Solidarität und Toleranz? In dem Film „Pride“, den wir am 18. August gezeigt haben, unterstützt eine Schwulen- und Lesben-Organisation aus London streikende Minenarbeiter in einem kleinen walisischen Dorf. Vorurteile und Ablehnung, Gastfreundschaft und Herzlichkeit – alle Gefühlslagen kommen ans Tageslicht in Konfrontation mit dem „Anderen“.
Unser Programm zum Film war englisch und bunt. Das muss kein Widerspruch sein! Das B&U-Akustik-Duo bestehend aus Britta Hüttemann und Uli Plate brachten die Gäste musikalisch in die 1980er Jahre – also in die Zeit, zu der der Film spielt.


In der Talkrunde konnten wir gleich drei Gäste begrüßen. Solidarität hatte Thomas Busse vom Tiefbau- und Landschaftsunternehmen Arundo gezeigt. Er hatte den Stammtisch Barmeierplatz tatkräftig und kostenlos mit Maschineneinsatz, ganz viel Erde und Manpower beim Bau des Wasserspielplatzes in der Maiwiese unterstützt. Im zweiten Interview sprach Host Chudzicki mit Horst Raak und Jochen Schlüter. Die beiden sind das erste gleichgeschlechtliche Ehepaar aus Enger. Sie hoffen, dass in ein paar Jahren nicht mehr darüber gesprochen werden muss, wer wen heiratet.


Der traditionell letzte Programmpunkt vor Filmbeginn ist immer das Kinoquiz. Wir stellen unserem Publikum zehn Fragen, rund um die Themen des Films. Wer laut genug – und richtig – antwortet, gewinnt einen kleinen Preis, von der Fahrradhupe bis zum politisch antiquierten Schmöker. Ach ja, das Eier-Erbsen-Sandwich durfte nicht fehlen. Dass englische Küche schmackhaft sein kann, bewies das Catering-Team darüber hinaus mit „Muligatawny-Soup“, „Miners Cottage-Pie“ und „Shortbread-Tiramisu“.

Das war´s für dieses Jahr!

So eine erfolgreiche Saison macht Spaß – wir, die Kinogruppe vom Stammtisch Barmeierplatz sind keine Profis. Wir stemmen dieses Event auf ehrenamtlicher Basis. Wir freuen uns über glückliche Gäste, Kinobesucher, die sich bei uns mit Freunden treffen und die Atmosphäre auf dem Platz genießen. Die beim Quiz mit raten, unseren Künstlern applaudieren und sich an unseren Ständen und bei unseren Mitmachaktionen gut unterhalten.
Dies wollen wir auch im nächsten Jahr wieder möglich machen.
Der moderate Kino-Obolus von fünf Euro pro Person deckt natürlich nicht die Kosten des Abends. Erst Sponsoren und der Verkauf von Speisen und Getränken ermöglichen die Finanzierung von Film- und GEMA-Gebühren, Leinwand- und Stühle-Verleih, Technikausstattung usw. Unser besonderer Dank gilt der Eisdiele Degrassi, ohne deren Kooperation dieser Abend kaum machbar wäre.

Ein Wasserspielplatz in der Maiwiese dank Freiluftkino

Dieses Jahr konnten wir ein lang gestecktes Ziel erreichen. Zur Erinnerung: Der Stammtisch Barmeierplatz ist eine Agenda-Gruppe zum Thema Stadtgestaltung. Unser Ziel ist es, dass Bürgerinnen und Bürger von Enger dazu beitragen, dass wir eine lebens- und liebenswerte und attraktive Stadt behalten. Zur Aufwertung der Maiwiese und für die vielen Familien in der Stadt Enger, die keinen eigenen Garten haben, hatte der Stammtisch Barmeierplatz den Bau eines Wasserspielplatzes angeregt. Viele Jahre scheiterte diese Idee an den fehlenden finanziellen Mitteln. Im letzten Jahr konnte der Stammtisch einen Grundstock von 10.000 Euro als Erlös aus sieben Jahren Kino mit 20 Kinoabenden sowie durch die Einwerbung von Sponsorenleistungen für den Bau des Wasserspielplatzes anbieten. Mit Hilfe der Stadt Enger und weiteren Unterstützern wurde der Platz in diesem Sommer gebaut. Im Rahmen des Bürger-Picknicks in der Maiwiese wurde er eingeweiht. Jeder einzelne Kinobesucher hat also diesen Wasserspielplatz indirekt mit ermöglicht. Danke!

Wollen Sie beim Kino-Team mitmachen?

Ein gutes Duzend kinobegeisterter Engeranerinnen und Engeraner kümmert sich um Planung, Vorbereitung, Organisation und Durchführung des Sommerkinos im roten Würfel.
Dahinter steckt ein Planungsaufwand, der jeweils bereits im Dezember eines Jahres für das nächste Jahr beginnt und von Mai bis August seinen Höhepunkt erreicht. Viele Hände sind an einem Kinoabend von Nöten. Jede Menge Equipment müssen wir bewegen. Dazu brauchen wir auch Menschen, die einen Anhänger oder ein Auto mit Anhängerkupplung haben. Oder die etwas von Technik verstehen. Oder kochen können. Sind Sie dabei?
Wir freuen uns über weitere Mitstreiter! Sprechen Sie uns an oder mailen Sie uns.

Kommen Sie gut über den Winter – wir sehen uns wieder im Juni 2019 – zum Sommerkino im roten Würfel!





 

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